Grundlegendes und Meinungen

Holz

Am Anfang der Fertigungsschritte steht u.a. die Auswahl der Hölzer. Vielerorts werden sogenannte Tonhölzer, teils sehr hochpreisig, angeboten. Man darf allerdings fragen, wann eigentlich Holz zum Tonholz wird-.

Allein die Tatsache, dass sich vor dem Hintergrund langer Zupfinstrumentenbautradition ganz ordentlich klingende Holzkombinationen etabliert haben, macht diese Hölzer per se nicht zu Tonholz. Auch der Anspruch ein schonend getrocknetes, lang gelagertes und langsam gewachsenes Stück Holz zu verarbeiten führt nicht zur Auswahl von Tonholz, sondern zur Auswahl von hochwertigem Holz. Aus meiner Sicht ist Tonholz nur dann entstanden, wenn es seine Verarbeitung in einem bespielten Instrument gefunden hat.

Ausgehend von technologischen Konzepten, kann man Holz überdies mittels physikalischer Kennzahlen beschreiben, die bei der Beurteilung und Holzauswahl hilfreich sein können. So besitzt Holz u.a. eine Dichte (Darrdichte), Schwindmaße beim Trocknen, Elastizitätsmodul und Biegefestigkeit (neben anderen Eigenschaften wie Bearbeitbarkeit oder Neigung zu Fehlern wie Rissen usw.). Allerdings helfen diese Daten allein bei der Auswahl einer geeigneten Holzkombination m.E. nur bedingt weiter, da es sich bei Musik letztlich um Kunst handelt, was wiederum sehr empfindungsabhängig ist. Auch die genaue Voraussage über den Klang eines Instruments kann bis dato niemand treffen, da insbesondere bei E-Gitarren sehr viele klangbeeinflussende Elemente (Hölzer, Metallteile, Tonabnehmer, Verstärker etc.) zu einem sehr variablen System kombiniert werden.

Sinnvoll ist sich gut etablierte Konzepte anzuschauen und zu versuchen den Kern darin zu durchdringen:

Sehr stark vereinfacht lassen sich zwei Typen von E-Gitarren unterscheiden:

1. Les Paul Typ Gitarren (Firma Gibson USA), die klassischerweise in Genres wie Blues bis Rockmusik verwendet werden, und

2. ...caster Typ Gitarren (Firma Fender USA) die insbesondere bei Country-, Funk-, Reggae- aber auch wiederum Bluesmusik zum Einsatz kommen.

Die Klangfarbe einer Les Paul (LP) ist im Vergleich zu einer ...caster etwas "dunkler". Der Grund liegt im typischen Materialmix der unterschiedlichen Instrumente. LPs bestehen meist aus Mahagoni mit Humbucker Pickups und ...caster aus Erle/Esche/Ahorn mit Single Coil Pickups (s.u.). Das schwere weiche Holz der LP kombiniert mit Humbuckern betont das tiefe Obertonspektrum und das leichtere härtere Holz mit Single Coils der ...caster das hohe Obertonspektrum. Anders ausgedrückt resonieren LPs bei niedrigeren Frequenzen als ...caster.

Zumeist haben LPs auch eine kürzere Mensur, die Saiten bei gleicher Tonhöhe weniger Spannung und lassen sich entsprechend mit weniger Kraft ziehen, jedoch nicht unbedingt auch leichter greifen, da meiner Erfahrung nach LPs eine etwas höhere Saitenlage benötigen infolge der niedrigeren Saitenspannung mit größerer Ausschwingung.

Pickups

Bei den elektromagnetischen Tonabnehmen der Gitarre handelt es sich um einfache Dauermagneten oder Eisenkerne, die von einer Spule umschlossen werden und die Schwingungsenergie einer ferromagnetischen Saite in Wechselspannung wandeln.

Es lassen sich zwei große Gruppen unterscheiden: zum einen sog. Humbucker (Doppelspulentonabnehmer, Rauschunterdrücker) und zum anderen sog. Single coils (Einzelspulentonabnehmer).

Die Bauart wirkt sich maßgeblich auf die Übertragungscharakteristik aus. Bei der Tonabnahme wird nämlich nicht jede Tonhöhe einer schwingenden Saite mit der gleichen Lautstärke wiedergegeben, sondern es gibt Bereiche, die sozusagen verstärkt werden. Dieses Phänomen nennt man Resonanzüberhöhung und betrifft die sogenannte Resonanzfrequenz eines PUs. Trotz der Tatsache, dass PUs mit vielen Adjektiven beworben werden, ist die Resonanzfreuquenz und dessen Ausprägung das wichtigste Charakteristikum eines PUs. Bei Single coils liegt sie meist höher als bei Humbuckern, weshalb sie auch heller klingen. Darüber hinaus sind klassiche Single coils etwas anfälliger für elektrische Streufelder von z.B. Netzteilen und neigen deshalb mehr zum Brummen, was allerdings durch eine entsprechend geerdete Abschirumung minimiert werden kann.

Typen: akustisch, halbakustisch und elektrisch

Die Konzepte der akustischen und elektrischen Gitarre sind konsequent ausgerichtet.

Eine Akustik soll die Saitenschwingung möglichst effektiv und obertonreich in Schall umwandeln. Als Membran dient die Decke und als "Speicher" rückwärtig abgestrahlten Schalls, und auch zur Vermeidung eines akustischen Kurzschlusses, der Korpus. Deshalb wird die Decke in der Regel aus Hölzern geringer Dichte und der Korpus aus solchen mit höherer Dichte gefertigt, ganz ähnlich dem Aufbau eines Lautsprechers.

Eine Elektrik wandelt, wie beschrieben Saitenschwingung in Wechselspannung um. Der maßgebliche Verlust von Energie in Schall ist eher nicht sinnvoll, da dies sich zulasten des Sustains auswirkt. Im Grunde dient die Holzkomponente einer E-Gitarre "nur" zur Ausstattung des Klangbildes mit einem reichen Obertonspektrum und Resonanzfrequenzen.

Zwichen diesen Polen gibt es nun eine Vielzahl von unterschiedlichen alternativen Gitarrenkonstruktionen. Die Übergänge sind dabei fließend.

Zu nennen sind halbakustische Gitarren mit richtigem Korpus, aber Tonabnehmern in der Decke, solche mit kontinuierlichem massiven Übergang von Hals bis zum Steg und solche mit nur Resonanzkammern. Alle Typen werden mit und ohne Schallöchern angeboten.

Wenn man als Qualitätskriterium einzig die Effektivität der Wandlung von Saitenschwingung in Schall oder Wechselspannung anlegt, so sind halbakustische Konzepte sicherlich inkonsequent hinsichtlich dieser Effektivitäten. Jedoch sind gerade auch solche Instrumente sehr erfolgreich. Sie klingen obertonreich, wenn auch mit kürzerem Sustain, und werden gerne im Rahmen von z.B. Jazz und Blues eingesetzt.